Konzert
Hupen und Hören

Ein performatives „Hör-Happening“ mit Kompositionen aus dem Raum der Klangkunst

Hupen und Hören

Begleitprogramm der Hörregion Hannover zur INTRAREGIONALE 2021

Das Neue Ensemble Hannover unter der Leitung von Stephan Meier spielt Kompositionen, die im Raum der Klangkunst beheimatet sind.

Nähe und Distanz nehmen wir zu wesentlichen Teilen mit unseren Ohren wahr; wir orientieren uns im Raum und schätzen Schallquellen und ihre Positionen ein. Das gilt auch im übertragenden Sinne, und so entsteht das, was wir Musik nennen.
Beide Werke des außergewöhnlichen Freiluftkonzerts haben Berührungen zur Idee der sozialen Plastik. Mobilisierte Hauptdarsteller in Meiers Werk sind Völksener Nachbarn; Levys exorzistischer Tanz hilft uns allen mit Sicherheit gegen Pandemien.
Der Park gibt die Kulisse für dieses außergeöhnliche, einmalige Konzert.

Das Programm:

Fabien Levy *1968, "Avant-demain", (2020, 8’)
Exorzistischer Tanz in Zeiten sozialer Distanzierung für sechs Autohupen in sechs Automobilen

Stephan Meier *1966,  "Motorientierung" (2014/2020, 20‘)
Eine Komposition für bewegliche motorisierte Objekte im weiten Raum: Fahrrad, Mofa, Trecker, drei Motorräder und drei Schlagzeuger
auf einem Anhänger

Zu den Werken:

Fabien Levy besteht auch in Zeiten sozialer Distanzierung auf dem live Musikerlebnis, und sei es im Schutz des privaten Automobils: auf sechs Autohupen in sechs Autos wird das Instrumentarium reduziert, mit ironisch – liebevoller Anspielung auf musikhistorische Vorbilder. Die Realisierung der gegenwärtigen Wirklichkeit in Form eines „teufelsaustreibendem“ Tanzes macht diese scheinbare Vergröberung allerdings zu einer humorvollen Liebeserklärung, wenn auch vielleicht mit sarkastischen Nebenton.

Die Komposition von Stephan Meier ist prädestiniert für eine Aufführung im weiten Parkraum: Zwischen Wiesengrün, Feldweg und Bundesstraße scheinen sich die Klänge der bewegten Fahrzeuge in der Weite zu verlieren, nur um sich auf erhellende Weise mit dem Instrumentalen zu mischen und wiederzufinden.

Ausführende:
Adam Weisman, Dörte Siefert, Simon Gutfleisch, Clemens Krauss, Henning Ahlrichs,
Stephan Meier (Leitung)

Gefördert vom Land Niedersachsen im Rahmen von „Humor & Wärme messen“ – Niedersachsen dreht auf.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind immer willkommen!

Coronabedingt ist die Platzzahl begrenzt, die rechtzeitige Reservierung ist obligarorisch.

Karten reservieren

Informationen zu den Komponisten:

Fabien Lévy studierte Komposition bei Gérard Grisey am Pariser Conservatoire National Supérieur de Musique. Er promovierte am EHESS mit einer Dissertation über die Diskrepanz zwischen analytischer und Wahrnehmungs-Komplexität in Musik. 1998-2001 arbeitete er als pädagogischer Berater im IRCAM und übte einen Lehrauftrag in Computermusik am Musikwissenschaftlichen Institut der Universität Paris-Sorbonne aus. 2004-2006 unterrichtete er Orchestration an der Hochschule für Musik Hanns-Eisler in Berlin, 2006-2012 war er Professor für Komposition an der Columbia University in New-York, 2012-2017 Professor für Komposition an der Hochschule für Musik Detmold, und wurde in Oktober 2017 zum Professor für Komposition an die Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn-Bartholdy“ in Leipzig berufen.
Lévys Werke werden international aufgeführt, u.a. vom Berliner Rundfunksymphonieorchester, Tokyo Symphonieorchester, dem Ensemble Recherche, den neuen Vokalsolisten Stuttgart, dem Ensemble Argento, dem Habanera-Quartett. Seine Instrumentalwerke erscheinen ausschließlich beim Verlag Billaudot (bis 2008), Ricordi Deutschland (2008-2018) und Editions Peters (nach 2018). Preise und Auszeichnungen schließen das Berliner Künstlerprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (mit einjährigem Aufenthalt in Berlin 2001) und den französischen Rompreis ein (mit einjährigem Aufenthalt an der Villa Medicis in Rom in 2002-2003). Er wurde 2004 mit dem Ernst von Siemens Förderpreis ausgezeichnet.

Stephan Meier studierte Schlagzeug und Klavier in Hannover und Den Haag und folgte Kursen bei Pierre Boulez, Mauricio Kagel, Luigi Nono sowie Diego Masson und Peter Eötvös (Dirigieren). Neue Musik zugänglich zu präsentieren ist eine Basis seiner Arbeit.
1993 gründete er in Hannover Das Neue Ensemble, das auf zahlreichen Festivals in Europa und Asien zu Gast ist, 2016 in Beijing mit dem Internationalen Kompositionswettbewerb „Leibniz’ Harmonien“ unter Schirmherrschaft des Bundesministers des Auswärtigen Amtes und des chinesischen Botschafters in Berlin, 2017 in der Kölner Philharmonie für die Uraufführung des Auftragswerks von Sir Harrison Birtwistle.
Meier war Mitglied der nationalen Jury der World New Music Days 2014, 2006 – 2016 Vorsitzender von Musik 21 NGNM e.V./ „Musik 21 Niedersachsen“ und ist seit 2016 künstlerischer Leiter der Birmingham Contemporary Music Group.
1997 erhielt er für seine schöpferischen Leistungen den Niedersächsischen Förderpreis, 2002 den Preis der Stiftung Kulturregion für CIRCUS S; der „Inventio“ des Deutschen Musikrats wurde ihm 2005 für innovative musikpädagogische Programmkonzeption verliehen. Das Beethovenfest Bonn prämierte 2011 seinen experimentellen Kurzfilm „Strisciata“, der in Zusammenarbeit mit Volker Schreiner entstand. Zahlreiche Preise für CD-Veröffentlichungen.
Seine Werke entstanden als Auftragswerke etwa der Bundesregierung, des Staats- und Domchors Berlin zum 100jährigen Domjubiläum oder für spezifische Aufführungssituationen wie die Berggartenmusik oder „Lustwandel“; auf CD erschienen u.a. bei Steidl (Des Knaben Wunderhorn) und Cordaria (schlagen-anrühren, Kandinskys Violett).

 

Förderer:

Hörregion Hannover