Theater
Sommertheater Hermannshof

DER FREISCHÜTZ VON VÖLKSEN

Sommertheater Hermannshof

Kartenreservierungen ab 15. Juni

Jahres-Höhepunkt ist das inzwischen vierte Open Air – Projekt mit dem Theaterkollektiv 'DieCompagnie' um die niedersächsischen Theatermacher*innen, Andrea Casabianchi, Rainer Frank, Elisabeth Hoppe, Serkan Salihoglu, Andreas Sigrist und den Musiker Martin Engelbach.

#WolfsschluchtVölksen

Damit es keine Missverständnisse gibt: 'DieCompagnie' plant keineswegs Carl Maria von Webers Oper 'Der Freischütz' aufzuführen! Ausgangspunkt ist vielmehr die gleichnamige Novelle 'Der Freischütz’ von August Apel, die auch die Grundlage für das Opern-Libretto bildete: Apel hat sie 1810 für seine in Leipzig erschienene ‚Gespensterbuch‘- Sammlung aufgeschrieben. Die Novelle wiederum greift eine Volkssage auf, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz seit dem 14. Jahrhundert verbreitet war. 

Diese Freischütz- oder Freischuss-Mythen sind der Ausgangspunkt für eine moderne theatralische Expedition über Zugehörigkeit und unsere Vorstellungen von Heimat.Dabei sucht das Ensemble explizit die Begegnung mit Tradition und Brauchtum im Kontext der dörflichen Gemeinschaft von heute! Ausgehend von dem zur deutschen Nationaloper stilisierten Mythos vom Freischütz stellen sich Beteiligte die Frage, was macht diese Geschichte über Pflichterfüllung und dem verzweifelten Wunsch nach Zugehörigkeit zur Dorfgemeinschaft so exemplarisch aktuell? Was hat es mit der Tradition der Schützenvereine auf sich? Und warum ist der Wald und die Jagd angeblich so prägend für das Selbstverständnis der Deutschen?

Im Mittelpunkt des theatralisch - musikalischen Spektakels über den Freischütz – Mythos steht die Frage, was qualifiziert uns eigentlich als zugehörig zu einer Gruppe oder Gemeinschaft? Was macht diesen ländlichen Jäger-Mythos voller märchenhaftem Aberglauben und Brauchtum zur Vorlage für ein Lehrstück über Zugehörigkeit und Gemeinschaft? Mit Jagdhornbläsern, dem Posaunenchor Völksen und dem 'Chor der Landbevölkerung'.

Der Plot

Der Freischütz ist die Geschichte einer Überforderung: Der städtische Schreiber Max liebt ein Mädchen aus dem Dorf. Er möchte dazugehören zu Agathe, zur Familie ihres Vaters, eines Jägers … und zur Gemeinschaft der Dörfler. Um aufgenommen zu werden, verlangt man eine Prüfung von ihm. Eine Art jagdlicher Integrationskurs wird gestartet, den er mit dem Probeschuss vor aller Augen bestehen muss. Egal wo seine Fähigkeiten eigentlich liegen. Die Gemeinschaft verlangt es: Willst du dazugehören, musst du unsere Sprache sprechen, musst du werden wie wir. Max wiederum will alles tun, um sein Mädchen zu bekommen und die Erwartungen zu erfüllen. Und irgendwann eskaliert der verzweifelte Wille es zu schaffen, so sehr, dass ihm jedes Mittel Recht ist: Hauptsache er wird akzeptiert! Und jetzt – die Geschichte spielt ja im mittelalterlichen deutschen Wald – kommt Samiel, der „schwarze Jäger“ ins Spiel. Er bietet die Lösung … Es geht in die Wolfsschlucht… Magische Kugeln werden gegossen, die es Max erlauben, mit jedem Schuss zu treffen. Und diese Verwandlung hat ihren Preis! Eine märchenhafte Zwangsintegration könnte man das nennen. Oder eine notwendige Anpassung?

Termine und Reservierungen

1.8.2024: Premiere mit weiteren Vorstellungen bis Mitte August. Beginn ist um 19.30 Uhr, gespielt wird an verschieden Orten im Park in die Abendstimmung. Ende ist gegen 21.30 Uhr. Im Anschluss gibt es bei Brot und Wein Zeit für persönliche Nachgespräche.Die Kartenreservierung ist obligatorisch, da die Platzzahl begrenzt ist. Karten können ab dem 15. Juni reserviert werden.

Auszug aus der Konzeption

Rainer Frank, Schauspieler:
„Besondere Orte oder Landschaften haben schon immer eine identitätsstiftende Funktion gehabt. Und unsichere oder als krisenhaft empfundene Zeiten forcieren das Bedürfnis nach einer wie auch immer gearteten Verwurzelung. So war es auch schon bei der Gründung des Hermannshofes im ersten Weltkrieg. Wie entsteht also Verbundenheit, Heimatgefühl? Und was leitet sich daraus ab? Angesichts wilder Debatten um Teilhabe und Zuwanderung sind wir äußerst gespannt, gemeinsam mit unseren teils langjährigen Partnern diese Reise in den allegorisch aufgeladenen heimischen Wald, in die WOLFSSCHLUCHT von VÖLKSEN zu unternehmen! Und wir fragen uns bange: Wieviel Aberglaube steckt bei aller Aufgeklärtheit, und fast unüberschaubar zugänglichen Wissensressourcen in uns?“

Martin Engelbach, Musiker:
Ein Akustik-Quartett - Gitarre, Percussion, Tuba und Geige. Sie begleiten das - wie in den letzten Jahren - hingebungsvoll ‚aufsingende‘ Ensemble der „Compagnie“. Es erklingt eine Jahrmarkt-Bearbeitung von: „Durch die Wälder, durch die Auen“ von Karl Maria von Weber, genauso wie die schummrig-schrägen Black-Rider Balladen von Tom Waits. In deutscher Übersetzung! Darüber hinaus geben sie morbides aus dem deutschen Jagdlieder-Fundus zum Besten: „Zwischen Berg und tiefem Tal saßen einst zwei Hasen“ oder „Ein Jäger längs dem Weiher ging“.  All das wird spektakelhaft unterstützt von dem fabelhaften Chor der Völksener*innen, sowie den ortsansässigen Jagdhornbläsern und dem Musikverein!   Es entsteht etwas merkwürdig opulentes, absurdes und aus der Zeit gefallenes - wären da nicht Assoziationen zum heimischen Schützenfest.   

Andrea Casabianchi, Schauspielerin:
„Das wir seit drei Jahren mehrere Monate im Jahr eng mit den dörflichen Nachbarn und Vereinen zusammenarbeiten, hat unseren Blick auf ländliche Gebräuche mitunter von: „aha“ über – „oh interessant“ zu „ach ne, wie spannend!“ verändert und wirft die Frage auf, wieviel jagdgebräuchlicher Aberglaube womöglich durch die Wälder um Völksen streift." 

Serkan Salihoglu, Regisseur:
„Bei aller beglückenden Offenheit unseren Mitstreiter*innen aus der Gegend, ist es sicher ganz und gar nicht selbstverständlich, in die dörfliche Gemeinschaft aufgenommen zu werden. Egal wo. Egal woher man kommt. Das ist zwar in der Stadt nicht anders, aber dort erwartet es auch niemand!“                                                                
                                                                                            

 

‚Die Compagnie' ist ein Kollektiv von professionellen Theaterschaffenden aus Niedersachsen. Ihre langjährige künstlerische Zusammenarbeit sowohl in freien Produktionen als auch an renommierten Theatern (u.a. Schauspiel Hannover), ist generationenübergreifend und seit 2020 auf den ländlichen Raum in der Region Hannover fokussiert. Die partizipativen Open Air - Spektakel entwickelt das Ensemble ausgehend von relevanten Stoffen und in enger Zusammenarbeit mit dem Hermannshof. Essenziell ist die Einbeziehung der Dorfbevölkerung und örtlichen Musikvereine in die jeweiligen Aufführungen.

Die Idee entstand 2020 angesichts geschlossener Theater und verwaister Zuschauerräume. Der Theatermacher Rainer Frank und Eckhart Liss, künstlerischer Leiter des Hermannshof e.V., hatten den Wunsch, ein Open Air - Format zu kreieren, das nachhaltig ‚Kunst und Begegnung‘ ermöglichen sollte. Erklärtes Ziel war und ist es, sich dabei immer auch mit lokalen aktuellen Themen auseinanderzusetzen. Lustvoll und wild. Musikalisch. Professionell. Gemeinsam mit örtlichen Vereinen. Bei Wind und Wetter. Ausgehend von vitalen Stoffen und lebendig zeitlosen Figuren. Ambitioniert und im Kollektiv!

So entstand mit den – VON VÖLKSEN – Spektakeln ein Theater Format, basierend auf grundlegenden Charakteren der jeweiligen Originalstoffe, das es den Akteur*innen ermöglicht, als Mitglied der auftretenden Theatertruppe, als Theatermacher*in, als Person von heute, aktuelle Zeitbezüge herzustellen und gleichzeitig die Qualität der literarischen Vorlagen zu nutzen. Außerdem wurde der Ortsbezug der Aufführungsreihe etabliert. Inzwischen sind in der Zusammenarbeit mit den Menschen und Vereinen im Dorf enge Arbeitsbeziehungen mit dem Theaterkollektiv gewachsen. Und: man hat auch einen Blick für unterschiedliche Sichtweisen auf relevante gesellschaftliche Sachverhalte entwickelt und gelernt sie gemeinsam zu thematisieren.

Förderer:

Stiftung Kulturregion Hannover Stiftung Niedersachsen Region Hannover Land Niedersachsen