
Sechs Lesungen im Halbstunden-Takt an drei Orten im Park. Die Besucher wandeln von Ort zu Ort.
Literarisches Speed-Dating
In idyllischer Kulisse lädt der Hermannshof in Völksen an einem Spätsommerabend zum literarischen Speed-Dating ein.
Vor dem Sommerhaus, dem Teepavillon und unter Apfelbäumen lesen sechs junge Autor*innen an drei Stationen aus ihren (Debüt-)Romanen – bei einer Wandellesung im Park.
Schnelligkeit ist gefragt, denn jedes Autor*innen-Tandem hat nur 40 Minuten Zeit für Lesungen und Fragerunde. Alle Texte umkreisen das Thema Familie: Es geht um eine Mutterrolle, die nicht erfüllt werden kann, um Schwestern, die alles für einander geben, um eine sehnsüchtige Mutter-Tochter-Verbindung, um Geschwisterbeziehungen, die sich neu finden müssen und eine Familie, die aus Fremden entsteht.
Es lesen:
Anja Gmeinwieser „Wir Königinnen“
Cora Wucherer „All die Farben, all das Licht“
Leh-Wei Liao „Glaszeit“
David Vajda „Diamanten“
Lukas Mi-Sa Nguyen Egger „Vielleicht im Sommer“
Sebastian Becker „Und es wird trotzdem wieder Sommer werden“.
Eintritt 15.-
Das Literarische Speed-Dating wird gefördert von der VGH Stiftung in Kooperation mit der VGH Regionaldirektion Hameln.
Empfohlen wird die rechtzeitige Online-Kartenreservierung, denn der Platz ist begrenzt.
Zu den AutorInnen:
Anja Gmeinwieser, geboren 1989, studierte Soziale Arbeit sowie Politik-, Theater- und Medienwissenschaften in München und Erlangen. 2018/19 war sie auf der Shortlist des Wortmeldungen-Förderpreises, 2022/23 Teilnehmerin der Romanwerkstatt des Literaturhauses München und 2023 Finalistin beim open mike. Ihr Roman „Wir Königinnen“ wird mit dem Literaturpreis Fulda als bestes Debüt 2026 ausgezeichnet. Sie lebt in der Nähe von Nürnberg.
Eine Frau wandert durch die piemonteser Alpen, ihre kreisenden Gedanken finden keine Ruhe. Da kreuzt die pragmatische LKW-Fahrerin Anna mit einer Ladung trächtiger Kühe ihren Weg. Aus einem spontanen „Ich fahre mit“ wird eine gemeinsame Reise Richtung Türkei. Zwischen Staub und Hitze ringen die ungleichen Frauen um Verständigung: Ihre Gespräche, unterstützt von einem zuweilen halluzinierenden Handy-Übersetzer, entdecken die Poesie im Alltäglichen. Anna jongliert Mutterrolle und Beruf, während ihre schweigsame Begleiterin sich in Zweifeln verliert. Ein Tag am See bringt kurzzeitige Harmonie, doch der Tod eines Rindes wirft Schatten voraus. An der EU-Außengrenze, wo Kühe und Träume stranden, mündet ihre Odyssee schließlich in einen Akt der Befreiung.
Cora Wucherer, geboren 1994 in Oberbayern, studierte Anglistik und Kunst, Musik, Theater an der Ludwig-Maximilians-Universität München und absolvierte die Deutsche Journalistenschule. Sie arbeitet als Journalistin beim ZEITmagazin und lebt in München und Berlin. „All die Farben, all das Licht“ ist ihr Romandebüt.
Juna ist siebzehn und will trotz ihres schwindenden Augenlichts um jeden Preis Malerin werden. Die 13-jährige Martha versucht alles, um aus dem Schatten ihrer begabten Schwester zu treten. Doch dann verschlechtert sich Junas Diagnose, und die Geschwister erkennen, dass sie sich nur gemeinsam gegen die Welt wappnen können. Ein Reise nach Malmö wird zu einer ungeahnten Herausforderung – und die Schwestern geraten an die Grenzen dessen, was sie voneinander zu wissen glaubten. Einfühlsam und kraftvoll erzählt Cora Wucherer vom unstillbaren Hunger auf das Leben und von einem Sommer, der alles verändert.
Leh-Wei Liao wurde 1993 als Kind taiwanischer Eltern in Göttingen geboren. Sie studierte in Köln Humanmedizin und war anschließend drei Jahre lang als Ärztin tätig – zuletzt in der Psychiatrie – beor sie beschloss, ihrer Kreativität mehr Raum zu geben.
Inzwischen studiert sie Bildende Kunst in Kassel und verfasst Prosa und Lyrik, die sich mit dem Spannungsfeld zwischen dem Ideal der Liebe und ihrem pragmatischen Korrelat in einer (Paar-)beziehung auseinandersetzen. Ihre Texte sind Suchbewegungen und behandeln (zwischenmenschliche) Ambivalenzen und unbewusste Sehnsüchte.
Seit 2022 schreibt sie und hat seither in zahlreichen Literaturzeitschriften veröffentlicht, u.a in »Jenny« und »Edit«. 2024 war sie Stipendiatin der Jürgen Ponto-Stiftung und der Kölner Schmiede. »Glaszeit« ist ihr erster Roman.
Überlebensgroß. auf einem Werbedisplay in der unterirdischen Taipei Mall: So sieht die junge Ärztin Novana ihre Mutter wieder, die taiwanische Künstlerin March. Achtzehn Jahre ist es her, dass March sie ohne jede Erklärung in Deutschland zurückließ. Alles, was Novanas Leben zuletzt bestimmt hat, verblasst angesichts dieses unerwarteten Wiedersehens: ihr Wunsch nach einem Neuanfang, der sie aus Köln weggehen ließ, der Alltag auf der Neugeborenen-Intensivstation in Taipei. Dann lernt Novana auf einem Karaokeabend Sihan kennen. Novana fühlt sich zu der furchtlosen Aktivistin hingezogen, und etwas, das längst verloren schien, kehrt in ihr Leben zurück: die Möglichkeit von Nähe.
Eindringlich und radikal klar erzählt Leh-Wei Liao von widerständigen Frauen, von Begehren und Verletzungen und der unsicheren Zukunft Taiwans – und stellt die Frage, wofür es sich zu kämpfen lohnt.
David Vajda, 1989 in München geboren, studierte Philosophie und Politikwissenschaften in London und in Cambridge. Er hat freischaffend u. a. für den Guardian, das Financial Times Magazine und Reportagen geschrieben, sowie Kurzgeschichten in Edit und DUMMY veröffentlicht. Sein erster Spielfilm in Ko-Regie mit seinem Bruder feierte auf der 71. Berlinale Premiere. Für seinen Debütroman „Diamanten“ erhielt er das Arbeitsstipendium Literatur des Berliner Senats. David Vajda lebt als freier Autor und Regisseur in Berlin und Wien.
Er nennt sie Mačak – Kater – oder seine Diamanten. Hin und wieder auch Trottel, wenn sie seine Witze nicht verstehen. Doch egal, wie viele Namen ihr ex-jugoslawischer Vater ihnen gibt, die Lücke, die der Tod der Mutter hinterlassen hat, vermag er nicht zu füllen. In seinem tragikomischen Debüt erzählt David Vajda von vier erwachsenen Geschwistern und ihrer exzentrischen, über die Welt verteilten Familie zwischen Boheme und deutschem Großbürgertum, zwischen Berlin und Hollywood. Sie treffen sich in Griechenland zur opulenten Hochzeit des Onkels, in Belgrad am Grab von Tito, in der Provence mit ihrer esoterischen Tante – nur trauern können sie nicht. Lieber flüchten sie sich in Sarkasmus oder ins Groteske
Lukas Mi-Sa Nguyen Egger, geboren 2000 in Pforzheim, wuchs als jüngster Sohn eines vietnamesischen Vaters und einer deutschen Mutter auf und erlebte früh, was es bedeuten kann, kulturell und ökonomisch am Rand der Gesellschaft zu stehen.
Er studierte Theologie. Seine Masterarbeit behandelte Armut und Klassismus. Sozial engagiert hat er sich in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sowie mit Flüchtlingsfamilien. Derzeit arbeitet er in Karlsruhe im Inklusionsbereich.
Seine Erfahrungen in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus prekären weckten in ihm den Wunsch, denen eine Stimme zu geben, die keine haben. So entstand dieses herausragende Romandebüt. Lukas Mi-Sa Nguyen Egger lebt und arbeitet in Karlsruhe.
Sommer 2007: Der 15-jährige Kian, aufgewachsen bei seinem kleinkriminellen Vater, landet nach einem schweren Schicksalsschlag im Heim, wo er auf keinen Fall bleiben will. Bei einem nächtlichen Fluchtversuch trifft er Marco, der nach einsamen und harten Jahren im Waisenhaus erfahren hat, dass er eine Halbschwester an der Nordsee hat. Als es den beiden Jungen gelingt abzuhauen, beginnt eine abenteuerliche Reise Richtung Meer. Authentisch, unsentimental und doch berührend erzählt der Roman von zwei ungleichen Freunden, die nicht nur ihre neue Freiheit entdecken, sondern auch, , was es bedeutet, eine Familie zu haben.
Sebastian Becker ist in Braunschweig geboren, seit seinem 15. Lebensjahr schreibt und veröffentlicht er Texte im Internet und teilt seit 2012 unter dem Pseudonym Tschief seine poetischen Alltagsbeobachtungen auf Instagram. Seine ikonische Handschrift ist zu seinem Markenzeichen geworden, inzwischen folgen mehr als 100.000 Menschen seinem Schreiben. Sebastian Becker ist 33 Jahre alt und lebt in Hannover.
Als Sebastian Becker 28 Jahre alt ist, stirbt sein Vater. Dieser Verlust ist der große Knall seines Lebens. Danach: Stille. Knalltrauma. Seitdem fällt ihm vieles schwer, auch das Drüberreden. Sebastian sucht nach Worten und findet: Erinnerungen. Es sind diese Erinnerungen, an helle und an dunkle Tage, die ihm die Sprache zurückbringen – und als Sebastian zu erzählen beginnt, von Eimern voller Sonnenblumen, von bunten Socken, von grünen Bananen, von Paywalls vor Todesanzeigen, vom Lieben und Vermissen, sind seine Worte klar und strahlend. Sie sagen alle dasselbe: Hi Papa, du fehlst.
Und es wird trotzdem wieder Sommer werden erzählt vom Abschiednehmen. Vom Stehenbleiben der Zeit in Momenten tiefster Erschütterung. Von Zeit, die sich nicht nachholen lässt. Von Mitgefühl. Vom Soft Sein. Vom unbegreiflichen Glück, am Leben zu sein. Vom Warten auf den Sommer – und von der Gewissheit, dass dieser Sommer kommen wird.






