Konzert
Das verlorene Lächeln

Hommage an Schubert

Das verlorene Lächeln

Georg Glasl spielt Zither. Dazu spielt das Streichquintett Arte Ensemble Hannover. Zusammen bilden sie einen avantgardistischen Klangkörper, unverbraucht und unerhört.

Zu hören sind Kompositionen der Komponisten Wilfried Hiller, Bernhard Lang und  Klaus Lang  - drei völlig unterschiedliche Komponisten mit ganz verschiedenen Klangsprachen. Ihre Gemeinsamkeit: Sie beziehen sich in diesen Arbeiten auf Kompositionen von Franz Schubert, orientieren sich am Original, transformieren es in ihre jeweilige Klangsprache.
Neben diesen Neukompositionen sind als Interludien Paraphrasen Schubertscher Tänze, Ländler und Deutsche zu hören in der Bearbeitung von Bernd Redmann. Diese Bearbeitungen für Zither und Streicher erinnern vielfarbig an die heitere, aber weitgehend verloren gegangene Welt der Ländler und Deutschen Tänze.

Das Programm:

Wilfried Hiller          Das große Lächeln - Tarot VI 
*1941                       für Zither, Streichquintett und präparierte Basszither  

Franz Schubert       Ländler hören 1                       
(1797 – 1828)          Ländler und Deutsche
Paraphrasen für Zither und Streichquintett von Bernd Redmann (*1965)

Wilfried Hiller          Nachtschattentänze im Skulpturengarten 
*1941                       für Zither und Streichquintett     

Franz Schubert        Ländler hören 2                      
Ländler und Deutsche
Paraphrasen für Zither und Streichquintett von Bernd Redmann (*1965)

Klaus Lang               barbaras landler                        
*1971                       für Zither und Streichquintett

Franz Schuberts Landler Nr.3 für Zither und Streichquintett        

Franz Schubert          Ländler hören 3                       
Ländler und Deutsche
Paraphrasen für Zither und Streichquintett von Bernd Redmann (*1965)

Bernhard Lang           Monadologie XXXI ....for Franz III            
*1957                          für Zither und Streichquintett                 

Zu den Kompositionen:

Das große Lächeln – Tarot VI
Nachtschattentänze
"Meine beiden Kompositionen für Zither und  Streichquintett haben dieselbe Ausgangsbasis: Sie setzen sich mit Schuberts Lied „Der Tod und das Mädchen“ auseinander, das jeweils am Schluss in variierter Form auftaucht. Beide von Georg Glasl angeregten Kompositionen sind durch Werke der Bildhauerin Antje Tesche-Menzen inspiriert, die erste durch die gleichnamige Skulptur „Das große Lächeln“, die zweite durch verschiedene Skulpturen (Ballerina, Reigen, Kleiner Walzer, Mondsichel in Frauenhand und Iris, das Mädchen mit der Totenmaske). Die fünf kurzen Sätze sind durch Schuberts Lied „Ihr Bild“ nach Heinrich Heine mit einander verbunden. Je näher das „geliebte Antlitz“ bei Heine-Schubert sich in der Unschärfe verliert, umso deutlicher tritt es in meiner Bearbeitung im Zither-Solo hervor."                                                                        Wilfried Hiller

Monadologie XXXI ....For Franz III  für Solo-Zither und Streichquintett
"...nimmt wie die Monadologien XX und XXI Bezug auf das Werk Schuberts, im besonderen Fall auf das posthume C-Dur-Quintett.
Die Monadologien sind prinzipiell Metakompositionen, also maschinelle Bearbeitungen vorhandener Partituren. Diese werden mittels Zellulärer Automaten und Granulatoren zerstört und re-assembliert, ähnlich den Experimentalfilmtechniken des Destruktivsten Raffael Montanez Ortiz.
Schon Monadologie I räumte der Zither als einem für die Neue Musik zu entdeckenden Instrument einen grossen konzertanten Raum ein, dort mit Sinfonieorchester (UA Musica Viva 150208); in der Monadologie XXXI ist es der kammermusikalische Innenraum, der zur Ausleuchtung kommt. Auch dieses Werk wurde von Georg Glasl angeregt."
                                                                                                                                      Bernhard Lang

KLaus Lang, barbaras  landler
Parabelflug und Fußfessel.
"Angehende Astronauten können, um für kurze Augenblicke das Gefühl der Schwerelosigkeit erleben zu können  in einem Flugzeug einen Parabelflug absolvieren. Musikschülern die die eigentliche Metrumslosigkeit der Rhythmik des Landlers lernen wollen, brauchen nur ein wesentlich einfacheres und archaischeres Hilfsmittel: eine Schnur, mit der man einen Fuß des Schülers mit dem, den Rhythmus stampfenden Fuß des Lehrers zusammenbindet.
So wie das Flugzeug dazu dient im Parabelflug Momente der Schwerelosigkeit herzustellen hilft die Fussfessel das Gefühl des metrumslosen Schwebens oder Momente der Zeitlosigkeit zwischen den Taktanfängen zu erzeugen.
Zeit wird nicht reduziert auf ein durch ein metrisches Raster starr normiertes Schema, sondern wahrgenommen als ein flexibel biegsamer Fluss. Diese fließende Klangstruktur wird durch die Notation in ein fixes Schema gepresst und dadurch der "wilde" Klang quasi domestiziert und zur geordneten Bürgerlichkeit.
Vielleicht hat Franz Schubert gerade in dieser ihm gut bekannten Musik die Dehnbarkeit der Zeit erfahren die zu einem wesentlichen Charakteristikum seiner Musik wurde? Und gerade dieser Umgang mit Zeit ist mein Anknüpfungspunkt für meine kompositorische Arbeit an drei Landlern von Schubert.
Die neue Komposition geht von dem  durch die Notation geordneten aus und versucht auf einem anderen, heutigen Weg zurück zum frei fließenden Klang zu gelangen."              
                                               Klaus Lang

Bern Redmann, Paraphrasen für Zither und Streichquintett
Ländler und Deutsche
"Für meine Paraphrasen habe ich Ländler und Deutsche mit besonderem kammermusikalischem Potential ausgewählt. Die ungewöhnliche Besetzung mit Streichquintett und Zither ermöglicht sowohl den Kontrast zwischen Ensembleklang und solistischem Akkordinstrument als auch deren vielfältige klangfarbliche und satztechnische Vernetzung. Der Variabilität der größeren Besetzung folgend habe ich den knappen Formrahmen häufig ausgeweitet: Mit vorgespannten Entwicklungen, Epilogen, Einfügungen, bisweilen auch neu komponierten Formteilen. Zum Teil sind Wiederholungen variiert gestaltet, z.B. in unterschiedlichen Satzlagen und Instrumentationen. Dabei war mir wichtig, den Raum des Schubertschen Originals nur behutsam zu weiten und zu öffnen. Prinzipiell versuchte ich, alle Weiterentwicklungen organisch in Schuberts Klangsprache einzuknüpfen, in ihren Gestaltungsräumen zu bleiben, und nicht etwas Anderes, Fremdes gegenüberzustellen."                                                                                                                                                                Bernd Redmann

Dem Konzert geht ein zweitägiges Laboratorium voraus. Ländler, sounds und sweet airs nennt sich das Laboratorium  des Deutschen Zitherbundes –Landesverband Nord. Dozenten sind Axel Rüdiger und Georg Glasl. Die Präsentation ist am Sonntag, 12. Juni, 17 Uhr in der Klosterkirche St. Marien in Barsinghausen.