Bildende Kunst
Eröffnung der Ausstellung

Bildende Kunst, Kaffeetafel Kunst und Begegnung

Eröffnung der Ausstellung

Arbeiten von Jörg Lange, Ulrich Eller, Bettina Nürnberg und Dirk Peuker

- „homme sandwich“, 2 Unterrichtungstafeln 260 x 360 cm, Jörg Lange, 2013/2017
- "Ballon", eine Klanginstallation im Tee-Pavillon, Ulrich Eller 2017
- 12 Glasdrucke Eingangsfenster Gästehaus, Bettina Nürnberg/Dirk Peuker, 2017

 



12 Glasdrucke,Dirk Peuker/ Bettina Nürnberg, 2017
Glasdruck, fotografisches Verfahren

Sie galten als verschollen, die drei Glasbilder des Glasmalers Heinz Mühlenbein. 1920 waren sie repräsentativ in den Fenstern der Diele des Großen Hauses eingesetzt. Sie fanden sich aber bei den Nachfahren der Familie Rexhausen in der Celler Straße 68 in Hannover wieder. In einem fotografischen Reproduktionsverfahren wurden die Glasbilder direkt auf Glas gedruckt und in einer Reproduktion in die Fenster im Treppenhaus der Diele eingesetzt.    
     Die Technik des Glasdrucks nutzen Bettina Nürnberg und Dirk Peuker für ein innovatives Kunstprojekt. Sie gestalten mit den fotografischen Möglichkeiten und dem bildnerischen Ausdruck von  „Kunst heute“ die 12 Scheiben der Terassentür zur Gartenseite hin. Die Glastür soll einen Kontrast und Gegenpol zu den Glasmalereien im zentralen Fenster bilden und sich dennoch inhaltlich und gestalterisch mit der Zeit der Entstehung der historischen Glasbilder auseinandersetzen.
    Der Entwurf spiegelt zum einen den Geist der 1920iger Jahre wieder, in dem das Haupthaus im Hermannshof gebaut wurde. Die Arbeit ist zugleich Vorbote und wertvoller künstlerischer Beitrag zum 100 jährigen Geburtstag der Gründung des Bauhauses in 2019. Die Arbeit wird über den Zeitraum der nächsten drei Jahre bis 2020 zu sehen sein.
    In einem fotografischen Verfahren sollen die Fenster mit einem geometrischen Motiv bedruckt werden, welches sich stark an der Kompositionslehre des Bauhauses orientiert. Die Lichtdurchlässigkeit und Farbigkeit stellen dabei eine besondere Anforderung an das Glas. Durch die Bewegung des Betrachters beim Eintreten in das Haupthaus und den Wechsel des Lichts wird die Komposition vollendet. Das fotografische Verfahren, mit dem die Fenster bedruckt werden sollen, bezieht sich stark auf die Technik der Glasmalerei, die auch heute noch einen besonderen Stellenwert in der Malerei hat. Keine andere Malart kann eine so hohe Farbleuchtkraft erzeugen, wie ein Glasbild.

 



      

„homme sandwich“, Jörg Lange,  2013/2017
2 Unterrichtungstafeln, Verbinder,Digitaldruck, Aluminium, Stahl, Fundamente, 260 x 360 cm

Die Arbeit „homme sandwich“ steht prominent an dem Weg Röse als weithin sichtbares Zeichen des Jahresthemas „Die Zeit scheint auf“. Auf einer 260x360 cm großen, freistehenden, doppelseitigen Plakatwand werden zwei Abbildungen gezeigt. Beide Abbildungen sind Digitaldrucke und jeweils flächenbündig auf Vorder- und Rückseite der Plakatwand aufgetragen. Die eine Abbildung zeigt einen Landschaftsausschnitt mit sanften, grünen Hügeln und flachen Mulden. Der gezeigte Ausschnitt ist Teil des Parks und Kulturdenkmals auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Verdun. Die Rückseite der Plakatwand zeigt einen Landschaftsausschnitt von 1917, eine von Granaten und Minen zerfurchte „Mondlandschaft“ bei Verdun.
In dieser Zeit der Ernüchterung, Angst und Verzweiflung, die unzählige Menschenleben forderte und Landschaft nachhaltig veränderte, errichtete Hermann Rexhausen den Gartentempel in ländlicher Idylle und Abgeschiedenheit des grauenhaften Weltgeschehens.

Der Begriff „homme-sandwich“ kommt aus dem Französischen und bezeichnet einen Plakatträger- einen auf Brust und Rücken mit Werbetafeln behängten Mann.

 



 „Ballon“,  Ulrich Eller, 2017
Klanginstallation im Teepavillon, Gummi,  Schallwandler/ Transducer/ korblose Lautsprecher

Die audio-visuelle Klanginstallation "Ballon" von Künstler Ulrich Eller zeigt einen prallen und resonierenden Ballon im Teepavillon. Er leuchtet gelb.
   Der Tee-Pavillon ist konstruktiv ein Oktogon mit einem kubischen Aufsatz als erweiterte Dachform. Im Zentrum des Innenraums steht eine Stahlkonstruktion, die in der Höhe den offenen quadratischen Bereich zur Decke nutzt und so angelegt ist, dass sie stabil und sicher steht. Diese Konstruktion dient zur Fixierung eines aufgeblasenen Fesselballons aus Gummi, der zwischen zwei Punkte eingeklemmt wird, bzw. sich durch seinen prallen Körper selbst in einer stabilen Lage hält.
   An diesen zwei Punkten der Konstruktion sind Schallwandler/ Transducer/ korblose Lautsprecher befestigt, die sich je nach Luftdruck des Ballons in seine Außenhaut drücken. Geben die Transducer einen Sound ab, so wird der Ballon zu einem Klangkörper der als Resonator den Raum beschallt und über einen Außenklang (Raumklang) verfügt und im Nahbereich mit dem Ohr an der Außenhaut, einen andersartigen Körperklang (Innenklang) entstehen lässt.
     Sind alle diese Rahmenbedingungen erfüllt, so erwartet die Besucher eine besondere Wahrnehmungssituation: durch die verschiedenen und gleichzeitigen Sinneseindrücke (praller Körper – Licht – Sound – Resonanz) entsteht ein transmodaler Effekt, der den Ballonkörper in permanenter Ausdehnung/ Wachstum erscheinen lässt.

Eintritt: frei

Reproduktion der Glasbilder von 1920, Heinz Mühlenbein
Reproduktion der Glasbilder von 1920, Heinz Mühlenbein

Bettina Nürnberg und Dirk Peuker leben in Berlin. Die Multimediakünstler arbeiten seit 2006 an gemeinsamen Projekten im installativen Bereich und im künstlerischen Film, sowie in der Fotografie und der Objektkunst. Ein besonderer Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeiten liegt in der Architekturgeschichte des Neuen Bauens. Ausgehend vom politischen, gesellschaftlichen und historischen Kontext setzen sich ihre Arbeiten mit den Bedingungen, wie Geschichte in Architektur und Orte eingeschrieben ist, auseinander.

Bettina Nürnberg, * 1976 in Mannheim, studierte bildende Kunst im Fachbereich Film an der Hochschule für Bildende Künste Hamburg und der École Supérieure des Beaux Arts Toulouse (F).
Stipendien / Auszeichnungen (Auswahl)
2007  Künstlerinnen- Filmförderung; Senat für Wissenschaft, Forschung und Kultur der Stadt Berlin
2008  Arbeitsstipendium des Stiftung Kunstfonds Bonn
2014  Jahresstipendium der Hans und Charlotte Krull Stiftung

Dirk Peuker, * 1970 in Friedrichroda / Deutschland, studierte experimentelle Filmgestaltung an der Universität der Künste Berlin und bildende Kunst an der Akademie der bildenden Künste Wien, Meisterklasse Peter Kogler
Stipendien / Auszeichnungen (Auswahl)
2007 DAAD Jahresstipendium an der Filmakademie Wien
2008 Postgraduiertenstipendium des Freistaates Thüringen
2009 NaFÖG Stipendium des Berliner Senats
2014 Projektstipendium Stiftung Kunstfonds Bonn

Jörg Lange, *1961 in Essen, studierte 1984-91 Studium der Bildhauerei an der HBK Braunschweig bei Emil Cimiotti und Christiane Möbus und war Meisterschüler bei Christiane Möbus. 1991-96 war er Künstlerischer Mitarbeiter an der HdK Berlin. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Stipendien / Auszeichnungen (Auswahl)
1993 Arbeitsstipendium des Landes Niedersachsen; Stipendium der Niedersächsischen Sparkassenstiftung
1995-96 Barkenhoff- Stipendium, Worpswede
1998 Jahresstipendium Land Niedersachsen
1999 Stipendium Stiftung Künstlerdorf Schöppingen
2000 Förderpreis des Landes Niedersachsen
2016 1. Preis Kunst am Bau Wettbewerb für den Rütli Campus Berlin (wird ausgeführt)

Ulrich Eller, *1953 in Leverkusen, studiert an der Hochschule der Künste bei Berlin Meisterschüler bei Prof. Herbert Kaufmann // 1994 Berufung zum Professor für das Fach Plastik und Raum,grenzüberschreitende künstlerische Inszenierung am FB Bildende Kunst der FH-Hannover // 2001 Berufung zum Professor für das Fach Klangskulptur/Klang- installation am Kurt-Schwitters-Forum der FH-Hannover // Seit 2004 Professur für das Fach Klangskulptur/Klanginstallation an der HBK Braunschweig. Er lebt in Norderheistedt-Dithmarschen.

Ausstellungen u.a.
°documenta 8°, Kassel 1987
°The Imaginary City < Metamorphosis >°, Hiroshima 2003
°Sonoric Ecologies°, Ostseebiennale der Klangkunst, Kiel 2008
°Klangkunst – a german Sound°, mobile Ausstellung aktueller Klangkunst in Deutschland, Deutscher Musikrat, Wanderausstellung seit 2009
°Zwölf Stimmen°, Kunst 8, Hinter Brüdern, Braunschweig 2010
°Vol. 01, Drawings, Sounds & Ambiences°, Alte Fischhalle, Cuxhaven 2011
°Soundart – Klang als Medium der Kunst°, ZKM, Karlsruhe 2012/13
°Resonanzen – Klanginstallationen Grosser Garten°, Kunstfestspiele Herrenhausen, Hannover 2016
°Sound goes Image, Partituren zwischen Musik und Bildender Kunst, Horst-Janssen-Museum, Oldenburg 2017

Förderer:

Land Niedersachsen